Mein Portugal-Surftrip mit Camper erwin

Aktualisiert: März 24



Es ist der 9. November 2020, die Saison ist nun seit einer Woche offiziell beendet, alle Camper sind auf dem Hof und eingemottet. Bis auf Erwin, meine neueste "Kreation". Mit dem fahr ich nämlich jetzt endlich auch mal selbst in den Urlaub, nachdem ich 6 Monate lang unzähligen Mietern ein ganz persönliches Camperabenteuer ermöglichte. Das Hinterherwinken wurde mit jedem Mal wehmütiger. So gern wäre ich doch auch mal im Hochsommer nach Frankreich zum Surfen gefahren. Oder endlich auch mal nach Norwegen, mir die Fjorde, Seen und Berge angucken, die ich sonst nur von Bildern der Mieter auf Instagram kannte.


Jetzt war es endlich soweit. Keine Termine mehr, nur noch Sachen packen und los. Und so schleppte ich mein Spielzeug ins Auto, kaufte nochmal das Nötigste für die Fahrt und dann gings auch schon los. Das Navi zeigte mir knapp 3000km und 28 Stunden an. Vorläufiges Ziel: Nazare, Portugal.



Achja, hätte ich fast vergessen. Dieses Virus namens Corona gabs ja auch noch. Natürlich habe ich die Reisewarnungen gelesen und mir auch tatsächlich Gedanken gemacht, aber nicht zu fahren war für mich keine Option, zumal ich Freunde in Portugal hatte, die von der Situation dort unten täglich berichteten. "Alles easy hier unten. Kannst kommen, die Strände sind offen, im Restaurant musst aber Maske aufsetzten." Ok!

Trotzdem, die Angst an der Grenze abgewiesen zu werden hatte ich schon. Aber mehr als wieder zurückfahren zu müssen wäre nicht passiert. Außerdem liebe ich es zu fahren. Und so fuhr ich. Von Rostock bis nach Freiburg, dann bei Mühlhausen über die Grenze nach Frankreich und noch 200km weiter. Angehalten hab ich bis jetzt nur zum Pinkeln und Tanken. 1200km in 12 Stunden. Erstmal pennen.


Die nächsten Stunden und Kilometer durch Frankreich waren eher unspannend. Zumindest für Außenstehende. Ich fand jeden Kilometer mega aufregend. Gerade Nachts. Mit den unzähligen LKW´s und "Polensprinter" auf den mautfreien Nebenstrecken. Maut is nämlich in Frankreich ganz schön knackig und mit nem knapp 3m hohen Sprinter fällt man sogar schon in Kategorie 2, ätzend.

Nächster Halt zum Schlafen war dann irgendwo zwischen Bordeaux und Biarritz. Als ich morgens aufwachte, waren draußen 20 Grad und Sonnenschein, yeah. Und Polizei. Aber die haben nur nen LKW verscheucht, der auf nem Busparkplatz stand. Für mich hat sich bis hierher noch kein Polizist interessiert.



Weiter gings dann Richtung spanische Grenze. Und auch hier, keine Kontrollen. Keine Polizei zu sehen. Nicht mal ausm Fenster hat einer geguckt. Also weiter.

Irgendwie hab ich dann nebenbei mit Leuten geschrieben, die vor Kurzem oder des Öfteren in Nordspanien surfen waren und dann meinten, dass ich doch mal paar Tage in Spanien bleiben könnte. Gesagt getan. Fix die Route geändert und so fuhr ich in die Nähe von Santander. Genauer gesagt nach Liencres. Soll schön sein da. "Gute Wellen. Und stehen kannst da auch easy." Ok, ich also da hin, geparkt, geh vorn zur Klippe und guck mir die Wellen an. Wie man das so macht. Vielleicht so 10min. Geh wieder zurück zum Auto und seh plötzlich n Zettel hinterm Wischer. Geil, erster Strafzettel. Bei näherer Betrachtung jedoch, wurde ich hier anscheinend zu ner gemütlichen Runde zu dritt eingeladen. Aber seht selbst :)

Auch für meine Spanischkenntnisse war mir schon klar, was der Verfasser des Zettels mir sagen wollte. Bock hatte ich da aber nicht so drauf und so machte ich mich dann doch kurzentschlossen auf den Weg direkt nach Portugal. Leute gibts :)



Achja, warum fahr ich eigentlich nach Nazare? Wem der Name jetzt gar nix sagt aufgepasst. Hier rollen von Oktober bis März riesige Wellen rein. Manchmal auch 20m. Aber dazu muss es auf dem Meer ganz weit draußen richtig stürmen. Anscheinend war wohl lange kein großer Sturm mehr und somit gabs für mich dann nur vergleichsweise kleine Wellen zu bestaunen. Immernoch groß, aber noch lange nicht so groß wie die Welle die ich vorher immer in den Medien gesehen hab. Cool anzuschauen wars trotzdem.



In Nazare war ich dann auch nur für eine Nacht. Irgendwie hat mich das da nicht so gecatched. Wetter war auch kacke und im Wald gabs davon noch viel mehr.


Grüße gehen raus an alle Freikacker, die wohl mit dafür verantworlich waren, dass es in Portugal nun endgültig vorbei ist mit dem Freistehen. Dazu gibts aber noch einen eigenen Artikel. #vanlife #portugal



Nach meinem Halt in Nazare gings weiter Richtung Süden. Den Namen Peniche hatte ich schon öfter mal gehört und wusste zudem, dass ein ferner Bekannter hier eine Surfschule hatte. Guck ich mir doch glatt mal an. Der Ort an sich war schön, die Wellen schon echt gut. Ziemlich clean, kein Wind. Aber auch nicht Weltklasse. Und dennoch war es auf dem Wasser derart voll. Holla die Waldfee dachte ich mir. Der Typ mit seiner Surfschule hatte übrigens keine Zeit. Cooler Kumpel.


In Peniche tingelte ich dann so 3 Tage rum bis mir das da zu viel wurde mit den ganzen Massen im Wasser und den Touristen vor Ort. Die meisten Camper kamen übrigens aus Deutschland. Also weiter. Ab ins Warme. Weiter Richtung Süden. Next Stop -> Arrifana


Das war von Peniche aus gar nicht mehr so weit. 500km hörte sich jetzt nicht viel an. Trotzdem war ich dann 7 Stunden unterwegs. Vorbei an Lissabon auf der Autobahn über kilometerlange Brücken. Dagegen ist der Rügendamm ein Witz. Das Wetter wurde, um so südlicher ich fuhr, auch immer besser und die Temperatur stieg auch auf 20 Grad. Fürn November gar nicht schlecht, dachte ich mir.

Arrifana kannte ich schon von früher. Hier war ich 2017 mal zu Besuch. Das war auch mit ein Grund, warum ich in die Gegend gefahren bin. Fühlte sich schon etwas heimischer an als Peniche oder Nazare.

In Arrifana blieb ich dann ganze 3 Tage. Danach musste ich mich "leider" auf den Weg nach Tarifa (Spanien) machen, da dort die Windvorhersage mega gut aussah. Tarifa war ja quasi "Um die Ecke". Aber auch nur wenn man bedenkt, das ich 3000km von zu Haus weg war.



Auf dem Weg nach Tarifa bog ich nochmal kurz nach Sagres ab, damit ich auch mal am südwestlichsten Punkt von Europa war. Zu diesem Zeitpunkt (18. November 2020) waren auf dem Parkplatz noch Campervans aus aller Herren Länder. 4 Wochen später traute sich dort kaum noch jemand zu stehen. Die Frage nach dem Warum dürfte wohl mittlerweile allen klar sein. Na dann, #livingthedream


Die Fahrt nach Tarifa ging am Ende doch recht fix. Der Grenzübergang Portugal/ Spanien war auf jeden fall ein Foto wert. Ich hätte mal noch eins vom Tankstellenschild machen sollen. In Spanien hat der Diesel 40Cent weniger gekostet als in Portugal. Da macht das schon wieder Spaß mit dem Tanken.



Weiter gings über Sevilla nach El Palmar und Los Canos des Meca zum Glotzen. Irgendwer meinte mal, das muss man sich auch mal angucken. Naja, am Ende war da keiner außer mir. Also bin ich dann weiter nach Tarifa.

Was mir dann da in der Ecke erst so richtig aufgefallen ist, dass ich irgendwie fast der einzige Tourist war. Zumindest mitm Camper. Später hab ich erst gelesen, dass Andalusien Hochrisikogebiet ist. Was das bedeut, sollte ich später noch erfahren :)

In Tarifa selbst war ich vor ein paar Jahren mal. Verändert hat sich seither aber nicht viel. Auf der Landebahn (die kannte ich noch von damals), standen dicht an dicht die Camper und Wohnmobile. Da hab ich mich dann auch einfach dazugestellt. War solala, aber dafür hats nix gekostet.


Landschaftlich ist es dort unten echt schön. Auch wenn der Wind jetzt nicht so angekommen ist wie es angesagt war, hatte ich ein paar richtig gute Tage. Übrigens sieht man von Tarifa aus sogar schon Marokko. Am coolsten sieht es Nachts aus. Da hab ich aber kein Bild, sorry.



So, und nun zu dem Corona-Risikogebiets-Ding und weshalb ich dann auch nur 5 Tage in Südspanien war. Im November hatte Spanien unter anderem Andalusien zum absoluten Hochrisikogebiet erklärt, was bedeutete, dass man zwischen den einzelnen Kommunen nicht umherfahren durfte. Ich hatte die ersten Tage keine Polizei gesehen und nur von Anderen gehört, dass die ab und zu mal stehen und kontrollieren. Irgendwie hatte ich wohl bis dahin immer Glück. Hat leider nicht lange gedauert, bis ich auch mal dran war. Ich war zufällig gerade auf Schlafplatzsuche, da stehen die Jungs (Cops) am Ende der Straße in ner Sackgasse. Als ich umdrehen und wegfahren wollte, sind sie auch schon ausgestiegen. Ausweis und Fahrzeugschein bitte. Och nö. Dann fragten sie wo ich herkomme und wo ich hin will. Beides hat denen wohl nicht gefallen. Auf jeden Fall meinte der Cop, ich solle doch dahin fahren, wo ich herkomme (in dem Fall Canos des Meca) und dort bleiben. Wer den Ort kennt, der weiss auch, was da los ist. Nix. Nichtmal einkaufen kannste da. "Klasse" dachte ich. Die Beamten fotografierten meine Papiere und verwarnten mich. Gut dachte ich, dann penn ich die Nacht noch in Canos des Meca und fahr dann nächsten Tag wieder nach Portugal. Und so verließ ich Spanien wieder nach 5 Tagen. Schön wars aber trotzdem. Und vor allem warm.



Zurück in Portugal gings gleich wieder nach Arrifana. Hier fühlte ich mich wohl, wusste wo was ist und kannte auch einige nette Leute, mit denen ich surfen ging oder im Café gechillt habe. Mit surfen und chillen, essen und schlafen vertrieb ich mir dann die Zeit. Und das hat wirklich gut getan. Der Rest vom November und der Dezember vergingen so schnell. Auf einmal war Weihnachten und Silvester. Und irgendwie hab ich das da unten alles gar nicht mitbekommen. Auch durch den Lockdown zu Weihnachten oder die Ausgangssperre zu Silvester (da war ab um 23Uhr Sense mit draußen sein) verging die Zeit wie im Flug.



Pünktlich zum Jahreswechsel machte sich dann ein immer größer werdender Schmerz in der Rippengegend bemerkbar, der so schlimm wurde, dass ich nicht mehr surfen konnte. So verbrachte ich noch einige Tage im Camper und im Café, was mich aber ziemlich schnell langweilte. Und so entschloß ich mich, am 9. Januar 2021 wieder zurück nach Deutschland zu fahren. Das "nicht mehr surfen gehen" war tatsächlich der einzige Grund für meine Rückfahrt. Zurück in Rostock erwartete mich soweit nichts weiter. Was nicht heißt, dass es nichts zu tun gäbe. Um meine freie Zeit effektiv zu nutzen, suchte ich nach einem neuen Camper zum ausbauen. Diesen fand ich dann auch relativ schnell. Der neue ist mittlerweile auch fertig, heißt Gerda und ist babyblau :)




Ich hoffe euch hat der Artikel gefallen. Wenn ihr mögt, dann kommt doch gern mal vorbei und mietet euch einen Campervan für euren nächsten Abenteuerurlaub.


Viele Grüße

Olli






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